05/70

Vive la République!
Atlas des Kantons Genf, Jean-Rodolphe Mayer, 1828–1831

Grösseres Bild
Bild aus: Zentralbibliothek Zürich

Kennen Sie die Halbinsel von Hermance nördlich von Genf? An ihrem äussersten Punkt liegt das beschauliche Fischer- und Bauerndorf Hermance. Die Küste links im Bild wird heute bis zur Genfer Stadtgrenze gesäumt von Villen, in denen Diplomaten und Wohlhabende aus allen Teilen der Welt residieren. Die andere Küste mit den lieblichen Buchten ist im Gegensatz dazu überhaupt nicht begehrt, weil … Nun, da ist keine Küste, und Hermance liegt nicht auf einer Halbinsel, obwohl der Bildausschnitt genau dies zu zeigen scheint. Erst der Blick auf den ganzen Plan (grösseres Bild) klärt das Missverständnis auf: Die angrenzenden Gemeinden und Territorien wurden zur Unterscheidung farbig koloriert. Leider wählte der anonyme Kolorist für den See und das Ausland denselben Blauton. Damit verstiess er gegen die Regel, Gleiches gleich, aber Verschiedenes unterschiedlich zu behandeln. Mit dem ungewollten Effekt, aus Hermance eine Halbinsel zu machen. Im Gegensatz zum Koloristen war der Geometer Jean-Rodolphe Mayer ein Meister seines Fachs. Schon sein Vater und zuvor der Grossvater hatten im Auftrag der Genfer Behörden Vermessungen ausgeführt. Als Genf 1815 von Frankreich und 1816 von Savoyen zahlreiche Dörfer und Weiler (darunter Hermance) zugesprochen erhielt, verfügte der Kanton endlich über ein zusammenhängendes Staatsgebiet und eine Landverbindung zur Eidgenossenschaft. Eine Neuvermessung des ganzen Kantons war unumgänglich, wofür der noch junge Jean-Rodolphe Mayer verpflichtet wurde. Er nahm zwischen 1828 und 1831 alle Gemeinden des Kantons neu auf. Insgesamt zeichnete er 25 Detailkarten und eine Gesamtkarte, die vervielfältigt und zu einem Atlas gebunden wurden. Damit besass Genf eine sehr repräsentative und nützliche Übersicht in den neuen Grenzen.

Bibliografische Angaben

Plan des communes d’Hermance et Corsier levé par J.R. Mayer. In: Plans des communes de la république et canton de Genève. Genève: J. Barbezat, 1828–1831. No. 19.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich
 

Übersicht «Karte der Woche»