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Puristen und Pragmatiker:
Bevölkerung der Schweiz 1910, CAT Design, 2001

Bevölkerung der Schweiz 1910

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Kartografinnen und Kartografen stehen oft vor der Frage, wie statistische Daten auf Karten visualisiert werden sollen. Die einfachste Lösung besteht darin, die Daten in Kategorien einzuteilen und die Bezugsflächen entsprechend einzufärben. Ein typisches Beispiel sind die Karten im Historischen Strukturatlas der Schweiz. Wir wählen daraus die Karte zur Bevölkerung in absoluten Zahlen auf der Basis der Bezirke im Jahr 1910. Die farbliche Kategorisierung ist für jeden Bezirk gut erkennbar. Nachteilig ist hingegen, dass sich grosse, aber dünn besiedelte Bezirke optisch in den Vordergrund drängen (Bild 1). Kartografische Lehrbücher empfehlen deshalb, für Absolutwerte punktförmige Signaturen einzusetzen. Sie bringen Siedlungsschwerpunkte und unbewohnte Gebiete am besten zur Geltung. Das ist in einem Land wie der Schweiz, in dem die Bevölkerung stark ungleichmässig verteilt ist, durchaus von Belang. Allerdings ergeben sich neue Probleme in Ballungsgebieten (Bild 2). Man könnte viel Zeit mit dem Ausprobieren anderer Kreisgrössen und Kategorienfarben verbringen, doch letztlich stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Ertrag, Kosten und Nutzen. Die Autoren des Historischen Strukturatlas der Schweiz haben sich pragmatisch für die erste Methode entschieden. Mit der kartografischen Gestaltung wurde das Büro CAT Design in Hünenberg betraut, zu dessen weiteren Standbeinen auch Infografiken und wissenschaftliche Illustrationen zählen. Liebe Leserin, lieber Leser: Welcher Methode geben Sie den Vorzug, wenn Sie die Regionen um Basel, Zürich und den Gotthard auf den beiden Karten vergleichen?

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Bibliografische Angaben

Bevölkerung 1910. In: Historischer Strukturatlas der Schweiz. Baden: hier + jetzt, 2001. Seite 11.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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