09/70

Bildhauer der Berge:
Relief des Berner Oberlandes, Simon Simon, 1886–1913

Relief des Berner Oberlandes

Grösseres Bild
Bild aus: Alpines Museum der Schweiz, Bern. Foto: Markus Oehrli

Wer Karten als zu abstrakt ablehnt, mag ganz sicher Reliefs. Das abgebildete Exemplar ist ein Landschaftsmodell, das im Gegensatz zu einem Stadtmodell einen Überblick über ein weiteres Gebiet gibt. Mit seinen mehr als 25 m² ist es das grösste dieser kartenverwandten Gattung, das je in der Schweiz hergestellt wurde. Das Relief deckt neben dem Berner Oberland auch die angrenzenden Täler des Kantons Wallis ab. Insgesamt 27 Jahre oder mehr als einen Drittel seines Lebens verwendete der Ingenieur Simon Simon darauf, die Landschaft geometrisch exakt im Massstab 1:10 000 nachzubauen. Als Grundlage für die Topografie verwendete er aktuelle Karten, als Baumaterial Gips. Die schon fertigen Teile bemalte er naturgetreu – als Alternative wäre auch eine geologische Bemalung möglich gewesen. Man kann sich den Rausch fast nicht mehr vorstellen, den der Anblick des fertigen Reliefs im Jahr 1913 bewirkte. Die Menschen sahen erstmals jeden Winkel des Berner Oberlandes auf einen Blick. Nur wenige Spezialisten hatten zuvor mit dem Flugzeug oder dem Ballon die Landschaft von oben sehen können. Heute betrachten wir das Relief aus einem weiteren Grund mit glänzenden Augen: Wegen des Klimawandels sind inzwischen die Gletscher stark abgeschmolzen. So ausgedehnt wie auf diesem Relief wird sich der Grosse Aletschgletscher wohl für sehr lange Zeit nicht mehr präsentieren. Genügend finanzielle Mittel vorausgesetzt, wird es dem Alpinen Museum immerhin möglich sein, das Relief des Berner Oberlandes zu restaurieren und in einigen Jahren in einer neu gestalteten Dauerausstellung wieder aufzustellen.

Bibliografische Angaben

Relief des Berner Oberlandes von Simon Simon. 1886–1913.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

Übersicht «Karte der Woche»