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Kein Schnee von gestern:
Ski-OL-Karte Lantsch/Lenz, Gian-Reto Schaad, 2014 und 2015

© skiolem15.ch

Auf den ersten Blick eine typische Karte für den Orientierungslauf (Bild 1): Kulturland ist gelb, Wald ist weiss oder grün, Sumpf ist blau, Höhenkurven sind braun – doch halt, was ist denn hier los? Die Höhenkurven zittern und drücken sich aneinander, als ob ihnen kalt wäre. Fehlt hier noch der letzte Schliff durch den Kartografen? Nun, das Bild zeigt eine automatisch hergestellte Karte, wie eine kleine Notiz unter dem Kartentitel versichert. Das Zauberwort heisst Airborne-Laserscanning. Bei diesem Hightech-Verfahren wird ein Laser an einem Flugzeug oder Helikopter befestigt. Während des Flugs scannt der Laser die Erdoberfläche, die Vegetation, die Hausdächer und dergleichen. Bis zu 50 Messpunkte pro m² sind möglich. Aus dieser Punktwolke lässt sich ein hochgenaues Oberflächenmodell berechnen, woraus wiederum die Höhenkurven abgeleitet werden können. Und das alles fast vollautomatisch. Die amtliche Vermessung liefert die Grundrisse der Gebäude und den Verlauf der Verkehrswege, et voilà, fertig ist die provisorische Karte. Damit können sich die Athleten im Vorfeld ein Bild des gesperrten Wettkampfgeländes machen. Die definitiven Ausgaben für die Wettkämpfe sind natürlich sauber generalisiert und mit dem Bahneindruck in Purpurfarbe versehen. Da es sich hier um einen Orientierungslauf auf Ski handelt, kommt ein grün zu druckendes Spurnetz dazu (Bild 2). Der Reiz dieses Sports besteht darin, auf einem vorgegebenen Spurnetz bei hohem Lauftempo die ideale Route zu wählen. Als Wettkampf-Organisator braucht man einen guten Draht zu Frau Holle. Ohne Schnee geht selbstredend gar nichts. Indes ist Neuschnee kurz vor dem Wettkampf auch nicht erwünscht, da dieser das vorgespurte Loipennetz zudecken würde. Wie auch immer: Wenn man beim Spuren oder Bahnlegen ein GPS-Gerät mitführt, kann der aufgezeichnete Verlauf und der Standort der Kontrollposten gleich in die Kartografiesoftware OCAD eingelesen werden. Kein Vergleich mehr mit den Anfängen des Orientierungslaufsports in den 1960er- und 1970er-Jahren, als die Produktion einer OL-Karte Monate dauerte.

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Bibliografische Angaben

[1] Lantsch/Lenz, von grs (das heisst Gian-Reto Schaad). Villmergen: European Ski Orienteering Championships, 2014. Auch online unter http://www.skiolem15.ch/index.php/de/downloads
[2] Lantsch/Lenz: Bual – Biathlon Arena – Tgampi – Golfplatz, Kartographie: Gian-Reto Schaad. Ausgabe Relay 25.01.2015 Women. Chur: Ski-O Swiss, OLG Chur, 2015. (Ski-OL-Karte 1791Q). Auch online unter http://skiolem15.ch/index.php/de/live

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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