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Zwischen Konkubinat und Heirat:
Montreux et ses environs, H. Furrer, 1877

Montreux et ses environs

Hochaufgelöstes Bild auf e-rara:
http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-20972
Bild aus: Zentralbibliothek Zürich

Im Rückblick scheint alles so einfach: Im Jahr 1877 hätte man in Le Châtelard und Les Planches in grossem Stil Land kaufen sollen. Alles beste Lagen mit Seeblick und finanziellem Potenzial. Aber eben, damals konnte niemand die Entwicklung zur drittgrössten Stadt des Kantons Waadt und zum weltberühmten Kurort voraussehen. Die Rede ist von Montreux. Was wir heute als Einheit wahrnehmen, bestand seit dem Mittelalter aus einem politischen Konkubinat. Die nördlich des Flusses Baye gelegene Gemeinde führte ihren Namen nach dem Schloss Châtelard. In ihren grössten Siedlungen lagen der Friedhof (in Clarens) und neuerdings der Bahnhof (in Vernex). Südlich des Flusses lag die Gemeinde Les Planches mit der gemeinsamen Kirche. Auch der 1881 erbaute Kursaal von Montreux wurde im Süden errichtet. Wenn eine der Gemeinden einen repräsentativen Bau aufstellte, musste die andere nachziehen. Mit der weiteren städtischen Verdichtung in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Zustand unhaltbar. 1962 wagte man endlich die Heirat. Allerdings haben einige der kleinen Winzerdörfer den Lauf der Zeit nicht überlebt: Sâles kämpft mit seiner Identität im heutigen Stadtzentrum, Vuarennes ging im Siedlungsbrei unter, die Hälfte von Pertit wurde der Autobahn geopfert, und in Le Trait blieb kein Stein auf dem anderen. Ob man dies alles Fortschritt nennen darf? – Die Karte von Montreux und seiner Umgebung 1:25 000 zeigt einen Tourismusort im Werden. Die Auftraggeber der Karte geben sich nicht zu erkennen. War es der gemeinsame Kreisrat, der eine Grundlage für die weitere Ortsplanung benötigte? Oder doch der umtriebige Bürger Eugène Rambert, der die Karte seinem Buch über Montreux beigab? Auch über das ausführende «Etablissement» Furrer in Neuenburg ist eher wenig bekannt. Sein kartografisches Erkennungszeichen ist der hübsche Totenkopf mit gekreuzten Knochen als Symbol für den Friedhof.

Bibliografische Angaben

Montreux et ses environs, J. Aubert commissaire arpenteur, Charles Krausé lithographe. In: Montreux, texte par Eugène Rambert. Neuchâtel: Etablissement lithographique et topographique H. Furrer, 1877.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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