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Übersichtsplan von Ennetbürgen und Buochs, Vermessungskommission Nidwalden, 1937

Übersichtsplan von Ennetbürgen und Buochs

Gösseres Bild
Bild aus: Zentralbibliothek Zürich

Dieser Übersichtsplan hat viele Väter. Zwei davon sind auf dem Plan nicht einmal genannt. Der eine ist der Gesetzgeber, der 1907 das Zivilgesetzbuch schuf und damit die gesetzliche Grundlage für den Übersichtsplan als Produkt der Grundbuchvermessung. Der andere ist die Schweizer Armee, die 1937 mit dem Bau des Flugplatzes Buochs begann. Dafür benötigte sie genaue Planungsgrundlagen. Nun kommen die Namen ins Spiel, die fein säuberlich am Kartenrand aufgeführt sind: Die Eidgenössische Vermessungsdirektion fotografierte die Gegend systematisch von ihrem Flugzeug aus; die damals führenden Fotogrammetriebüros von Max Zurbuchen, Robert Helbling und Edwin Lips werteten die Stereoluftbilder aus; der einheimische Geometer Julius Schwarzenbach ergänzte einige Teile mit dem Messtisch, besorgte die Kartenzeichnung und die Abschlussredaktion; die Kantonale Vermessungskommission von Nidwalden amtete als Herausgeberin; die Firma Aerni-Leuch war schliesslich für die Reproduktion und den Druck zuständig (Bild). Dass die Arbeitslast bei der fotogrammetrischen Auswertung auf drei Büros verteilt wurde, lässt auf einen ungewöhnlichen Zeitdruck schliessen. Denn normalerweise eilte es nicht besonders. 1909 hatte man die Produktionszeit des Übersichtsplanes für die ganze Schweiz auf 50 Jahre veranschlagt (also bis 1959), mit Bundesratsbeschluss von 1923 wurde die Frist bis 1976 verlängert. Indes sind noch immer rund 11% des Landes auf Stufe des Grundbuchs nicht definitiv nach Bundesstandard vermessen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Jahrzehntelange ungenügende Finanzierung durch den Bund, nicht voraussehbare Bevölkerungszunahme und Bautätigkeit (und damit Vermessungsbedarf) ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, laufend erhöhte Genauigkeitsansprüche und nicht zuletzt die Digitalisierung mit neuen technischen Anforderungen. Die mehrfarbigen Übersichtspläne wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durch billigere einfarbige Versionen ersetzt. Dank des 1998 zur Norm erklärten Datenmodells der amtlichen Vermessung lassen sich heute beliebige Varianten des Basisplans herstellen.

Bibliografische Angaben

Gemeinden Ennetbürgen und Buochs: Schweizerische Grundbuchvermessung: Übersichtsplan. Nachgeführt bis Ende Dezember 1937. Originalmesstischaufnahmen Julius Schwarzenbach, photogrammetrische Aufnahmen Eidg. Vermessungsdirektion, photogrammetrische Auswertung Max Zurbuchen, Robert Helbling und Edwin Lips, Zeichnung und Redaktion Julius Schwarzenbach, photomechanische Reproduktion und Druck E. Aerni-Leuch. Stans: Kantonale Vermessungskommission Nidwalden, 1937. Aktueller Basisplan online unter https://map.geo.admin.ch/ (an beliebiger Stelle maximal einzoomen).

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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