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Koblet gegen Kübler:
Bildkarte der Tour de Suisse, Otto M. Müller, 1950

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Bild aus: Zentralbibliothek Zürich

Flott sehen sie aus, diese Velofahrer aus der Feder des Zürcher Grafikers Otto M. Müller. Einem grösseren Publikum wurde er mit der Bildkarte «Vielgestaltige Schweiz» 1941 bekannt. Die kartografischen Aufträge häuften sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon bald nannten ihn die Kollegen liebevoll «Karten-Müller». Typisch für sein Frühwerk ist die Bildkarte zur Tour de Suisse 1950. Fast plakativ wirken das sparsam eingetragene Gewässernetz und die rot markierte Route. Gross angeschrieben sind die Etappenorte und die Pässe, auf denen es Bergpreise zu gewinnen gibt. In die freie Fläche sind bildhafte Elemente platziert – daher der Fachausdruck Bildkarte: Dargestellt sind Wahrzeichen wie der Zytgloggeturm in Bern, das Schloss Thun oder die Kapellbrücke in Luzern. Berge neben den Passstrecken verweisen auf die Herausforderungen für die Fahrer. Das ist alles. Durch die originelle und übersichtliche Gestaltung spricht die Karte auch ein jüngeres Publikum an. Dieses strömt in Scharen an die Rennstrecke. Am Start zur 5. Etappe in Gstaad sind auch die Publikumslieblinge Kübler und Koblet. Los gehts in rasender Fahrt hinunter Kübler und Koblet in der gleichen Gruppe Bulle flaches Greyerzerland vorwärts Fribourg treten treten Koblet Kübler heiss kurz vor Bern Schär schwankt gibt auf Aeschlimann gibt auf Koblet Kübler riesige Menschenmenge in Bern hurra hopp hallo Polizist jetzt das Aaretal angenehm flach Fünfergruppe vier Minuten voraus kaum einzuholen ein Ausbruch vor Thun endlich Ovomaltine tut gut See links See rechts Diggelmann und Schütz fast zehn Minuten Vorsprung unglaublich los in die Pedale Koblet Kübler hinauf auf den Brünig die Waden brennen hopp hopp Schwiiz Bergpreis an Diggelmann Koblet attackiert runter zum Vierwaldstättersee entfesselt 45 km pro Stunde Kübler Bobet hintennach Ziel Luzern in Sichtweite endlich bravo bravo Stettler gewinnt nach 234 km mit 5 Stunden 56 Minuten 45 Sekunden, die nächsten drei Plätze gehen an die zeitgleichen Landsleute Meier, Koblet und Diggelmann, als siebter fährt Kübler ein. Was für ein Schauspiel, was für ein Kampf der Giganten! Der aufstrebende «pédaleur de charme» Koblet gegen den etablierten Kübler. Beide gewinnen die Tour de Suisse drei Mal, beide die noch härtere Tour de France. Die Radsporteuphorie in der Schweiz ist auf ihrem Höhepunkt.

Bibliografische Angaben

Tour de Suisse, von Otto M. Müller. Aarau: Trüb & Co., 1950.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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