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Die Ärzte und der Bibliothekar:
Karte von Japan, Johann Caspar Scheuchzer, 1727

Hochaufgelöstes Bild auf e-rara:
http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-34724
Bild aus: Zentralbibliothek Zürich

Bei den Stichworten «Scheuchzer» und «Kartografie» denken Liebhaber alter Karten gerne an die grosse Schweizerkarte von 1712. Ihr Autor Johann Jakob Scheuchzer war Doktor der Medizin und einer der bedeutendsten Naturforscher der Schweiz des 18. Jahrhunderts. Fast vergessen ist hingegen dessen Sohn Johann Caspar. Der junge Scheuchzer wurde ebenfalls Naturforscher und wanderte nach dem Studium nach London aus. Dort war er als Bibliothekar des königlichen Leibarztes und kolossalen Sammlers Hans Sloane tätig. Dieser beauftragte ihn, eine bisher unpublizierte Landeskunde Japans aus dem Nachlass des deutschen Arztes Engelbert Kaempfer zu übersetzen und herauszugeben. Scheuchzer verstand allerdings vom Thema herzlich wenig. Dank der gut dotierten Bibliothek seines Arbeitgebers konnte er sich dennoch in die Materie einarbeiten. Zu Kaempfers Text erarbeitete Scheuchzer auch zahlreiche Illustrationen und Karten. Eine dieser Karten ist die politische Karte des japanischen Imperiums und seiner 68 Provinzen. Kaempfer hatte sich für die Geometrie der Küsten und Grenzen auf eine anonyme japanische Vorlage gestützt, die 1678 erschienen war und die er aus Japan in den Westen mitgenommen hatte. Doch Scheuchzer veränderte Kaempfers Zeichnung in entscheidenden Punkten, fügte hier eine Insel ein und änderte dort den Küstenverlauf. Auch die auffälligen sinojapanischen Schriftzeichen (Kanji) für die Namen der Provinzen sind ein Zusatz Scheuchzers. Kontrastierend dazu sind viele Städte namenlos. Herausgehoben ist einzig die kaiserliche Stadt Edo, das heutige Tokyo. Bei den Bergen ist der isoliert stehende Vulkan Fuji korrekt dargestellt und beschriftet, während alle anderen, in Gruppen angeordneten Bergsymbole mit der realen Topografie wenig zu tun haben. Scheuchzer dafür einen Vorwurf zu machen wäre unredlich: Einerseits hatte er Japan ja nie gesehen, andererseits befand sich in Kaempfers Nachlass eine weitere japanische Karte, die eben solche Berge zeigte. Und hatte nicht schon der Luzerner Renward Cysat auf der allerersten in Europa gedruckten Japankarte (1586) zahlreiche Berge eingetragen? Item, Kaempfers Text und Karten, übersetzt und bearbeitet von Scheuchzer, erschien 1727 unter dem Titel «History of Japan». Zwei Jahre später starb der Sohn, Bibliothekar und Übersetzer von Ärzten im Alter von nur 27 Jahren.

Bibliografische Angaben

Imperium Japonicum in sexaginta et octo provincias divisum: ex ipsorum Japonensium mappis & observationibus Kaempferianis, qua fieri licuit fide & cura descriptum, a Joh. Casparo Scheuchzer. In: The history of Japan: giving an account of the ancient and present state and government of that empire …, written in High-Dutch by Engelbertus Kaempfer, translated from his original manuscript, never before printed, by J.G. Scheuchzer. London: printed for the translator, 1727. Tabula VIII.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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