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In der Matrix:
Computer-Atlas der Schweiz, Geografisches Institut der Universität Zürich, 1972

Computer-Atlas der Schweiz

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© Kümmerly + Frey

Dies ist die Geschichte, wie vier Zürcher Geografen in den Jahren 1971/72 einen Atlas produzierten: André Kilchenmann, Dieter Steiner, Otto F. Matt und Ernst Gächter bemerkten, dass statistische Daten bisher fast nur in Tabellen verfügbar waren. Daraus räumliche Aspekte und Tendenzen herauszulesen war schwierig, und die anschliessende Kartenherstellung mühsam und entsprechend teuer. Ein Computer musste her, der die Daten nach verschiedenen Kriterien sortieren, nach Klassen aufteilen und die Bezugsflächen korrekt befüllen konnte. Zwei Ereignisse, die zunächst nichts miteinander zu tun hatten, führten zum Ziel. Erstens hatte die Eidgenossenschaft 1970 eine Volkszählung durchgeführt, deren Resultate erstmals digital auf Magnetbändern verfügbar waren. Und zweitens besass die Universität Zürich neuerdings einen Grossrechner von IBM namens System/370-155. Diese Maschine war mit Arbeitsspeichern zwischen 256 und 2048 Kilobyte erhältlich und kostete mehr als zwei Millionen Dollar. Darauf liessen die Geografen nun das Programm GEOMAP laufen, das statistische Daten verarbeiten und Karten herstellen konnte. Als Raumbezug wählten sie 190 Flächeneinheiten. Dazu gehörten alle Bezirke und einige zusätzliche Gebiete ähnlicher Grösse in Kantonen, die nicht in Bezirke unterteilt sind. Für die statistischen Werte wurden sechs Abstufungen (so genannten Klassen) pro Thema berechnet. Dafür gibt es verschiedene Methoden, deren Wahl die Aussage einer Karte wesentlich beeinflussen kann. Zuletzt wurde jeder der sechs Klassen ein Symbol zugeordnet, das auf der Karte als Flächenfüllung dienen sollte. Zum Beispiel ergab ein einfacher Strich eine helle Flächenfüllung für die unterste und die Kombination der vier Zeichen K, H, @ und # übereinander gedruckt eine dunkle Flächenfüllung für die oberste Klasse (Bild). Das Programm war nun in der Lage, aus der Beziehung zwischen Flächeneinheit, Thema, Klasse und Symbolisierung die gewünschten Karten zu berechnen. Auf diese Weise entstanden 68 Karten zu den Themen Bevölkerung, Wohnen, Arbeit, Wahlen, Steuern und Landwirtschaft. Die Karten wurden einzeln ausgedruckt, dann bei Kümmerly + Frey fotografisch auf Seitengrösse verkleinert und mit der Legendenbeschriftung versehen. Die elektronisch gespeicherten Karten belegten übrigens je zwischen 152 und 160 Kilobyte auf der Festplatte. Bei Bedarf konnte man sie problemlos mit anderen Klasseneinteilungen, Symbolisierungen oder Massstäben neu berechnen, was pro Karte nur gerade zwölf Sekunden Rechenzeit benötigte. Eine kleine Sache für einen Computer, aber ein Meilenstein für die Schweizer Kartografie.

Bibliografische Angaben

Computer-Atlas der Schweiz: Bevölkerung, Wohnen, Erwerb, Landwirtschaft: eine Anwendung des GEOMAP-Systems für thematische Karten = Computer atlas of Switzerland: population, housing, occupation, agriculture: an application of the GEOMAP system for thematic maps, von André Kilchenmann, Dieter Steiner, Otto F. Matt, Ernst Gächter. Bern: Kümmerly + Frey, 1972.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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