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Trittst im Abendrot daher:
Reliefkarte der Schweiz, Eduard Imhof, 1982

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© Familie Imhof

Rezept für eine naturähnliche Reliefkarte der Schweiz nach Professor Eduard Imhof: Man nehme lichtbeständige Aquarellfarben feinster Art, und zwar für die dunkelsten Schatten Ultramarin mit Krapplack, für die mittleren und helleren Schattentöne Ultramarin, Kobaltblau und Coelinblau, eventuell mit Paynes-Grau vermischt, sodann für die Ebenen verschiedene Stufen von Rembrandtblau, auf der Lichtseite zuoberst äusserst helles Kadmiumrot, sonst Kadmiumgelb-Zitron, ferner für die Firnfelder und Gletscher reines Deckweiss sowie für alle Seen Coelinblau mit einer Spur Karminrot. Als topografische Grundlage verwende man ein augenmörderisch feines Höhenkurvennetz in hellem Blauton, das auf starkes und masshaltiges Aquarellpapier kopiert ist. Und zwar leicht überlappend auf vier Bogen für die Viertel der Schweiz. Dieselben Höhenkurven benötigt man auch schwarz gedruckt auf Hilfsblättern, auf denen man sich die Höhenstufengrenzen (400, 800, 1200 und 2000 Meter über Meer) markiert. Als Werkzeuge lege man feinste Aquarellpinselchen und eine anständige Lupe bereit. Eine helle Lampe schadet gewiss nicht. Es kann losgehen: Auf der ganzen Kartenfläche werden zuerst die Schattentöne sehr zurückhaltend herausgearbeitet. Man wiederhole diese Prozedur, jedoch nur soweit, dass die hellblauen Höhenkurven für die Kontrolle immer noch sichtbar sind. Wenn das Gesamtbild stimmig ist, wasche man die Höhenkurven mit einer geeigneten Chemikalie aus. Keine Angst, die Aquarellfarbe verschmiert nicht. Nun verstärke man die Hauptkämme, fasse Grossformen zusammen und appliziere da und dort einen leichten Blauschleier, wie es die Gesetze der Luftperspektive gebieten. Dabei achte man darauf, die Feinmodulation der Licht-Schatten-Übergänge und die Halbschatten der Ebenen nicht zu zerstören. Die Spitzen der Lichtseiten tauche man in schönes Abendrot, auch dieses von helleren zu dunkleren Tönen je nach Höhenstufe. Über die ganze Arbeit giesse man behutsam eine Schicht Kadmiumgelb-Zitron. Zuletzt verziere man die Gletscher mit Deckweiss und die Seeflächen möglichst gleichförmig mit unverdünntem Coelinblau. Fertig ist das Meisterwerk! Bis hier rechne man gut und gerne mit einigen tausend Arbeitsstunden. Tipp: Um das Gemälde auch für das Auge der Öffentlichkeit bekömmlich zu machen, stelle man fotografische Farbauszüge her und lasse diese im Überlappungsbereich entlang scharfer Licht-Schatten-Grenzen geschickt zusammenfügen. Für die Gravur der Flüsse und der Landesgrenze sowie für die Beschriftung des Kartenrandes wende man sich ebenfalls an Profis. Empfohlen wird der Druck in sechs Farben. Gerahmt an der Wand kommt die Reliefkarte am besten zur Geltung.

Bibliografische Angaben

Relief der Schweiz = Relief de la Suisse = Rilievo della Svizzera, Kartengemälde von Eduard Imhof. Wabern: Bundesamt für Landestopographie, 1982.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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