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Bergsturz von Goldau, Fidel Zay, 1806

Bergsturz von Goldau

Hochaufgelöstes Bild auf e-manuscripta:
http://dx.doi.org/10.7891/e-manuscripta-15748
Bild aus: Zentralbibliothek Zürich

Das wichtigste Element auf dieser Karte ist die rote Linie. Sie markiert die Grenze zwischen Überleben und Tod. Wer und was unter dem Schutt des Goldauer Bergsturzes vom 2. September 1806 lag, musste im Nachhinein mühsam rekonstruiert werden. Dieser traurigen Aufgabe nahmen sich der ehemalige Pfarrer von Arth, Fidel Zay, und sein Neffe, der Arzt und Politiker Karl Zay, an. Als Grundlage für alle Statistiken benötigte man zuerst eine verlässliche Karte des Zustandes vor der Katastrophe. Diese herzustellen war Aufgabe des ortskundigen Pfarrers Fidel Zay. Aus dem Gedächtnis skizzierte er den Ortsgrundriss, wobei die noch stehenden Wohngebäude und Ställe am Rand des Katastrophengebiets als Referenz dienten. Es brauchte gutes Vorstellungsvermögen beim Kartieren, da Goldau meterhoch mit Schutt bedeckt war und sich die Topografie grundlegend verändert hatte. Mangels Vermessungen waren keine früheren Pläne im Archiv vorhanden, die man hätte zu Rate ziehen können. Alle Überlebenden wurden deshalb genauestens befragt, ob auch ja alle verschütteten Wohnhäuser eingetragen seien und die übrigen Einzelheiten stimmten. Parallel dazu führte der Arzt Karl Zay die Namenlisten der Überlebenden und Vermissten. Das Verbindungsglied zwischen Karte und Vermisstenlisten ist die Nummerierung der Gebäude (Bild). Die willkürlich zugeteilte Nummer beginnt beim Haus Harmettlen, das von den Schuttmassen gerade noch erreicht und leicht zur Seite gedrückt wurde. Das Erdgeschoss war mit Erde gefüllt, aber die oberen Zimmer blieben unversehrt. Alle elf Bewohner überlebten. Weiter im Dorfzentrum gab es kein Entrinnen, ausser die Menschen befanden sich zufällig auswärts auf der Weide oder zu Besuch. Die Namen und Wohnorte der 457 Toten sind alle im 1807 in Zürich publizierten Bericht des Arztes Karl Zay aufgeführt, dem so genannten «Schuttbuch». Als Beilage dazu findet sich die Karte des Pfarrers Fidel Zay, verkleinert und in Kupfer gestochen von Johann Heinrich Meyer. Der auswärtige Verlagsort dürfte auch der Grund sein, weshalb der Kartenentwurf seither in Zürich aufbewahrt wird.

Bibliografische Angaben

Bergsturz von Goldau, von Fidel Zay. 1806.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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