53/70

Gewöhnungsbedürftig:
Vergleichende Höhendarstellung der Schweiz, Urs Josef Walker, 1841

Hochaufgelöstes Bild auf e-rara:
http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-22228
Bild aus: ETH-Bibliothek Zürich

Was sich hier «Hoehen-Karte der Schweiz» nennt, ist nach heutigem Verständnis keine Karte. Das Stück ist auch kein Profil und kein Panorama. Und doch vereinigt es von allen drei Publikationstypen etwas in sich. Von der Karte stammt die Gradeinteilung auf der waagrechten Achse. Typisch für die Zeit liegt der Nullmeridian bei Ferro, womit die westlichste der Kanarischen Inseln gemeint ist. Deshalb liegt Luzern bei rund 25°58′ östlicher Länge. Der Massstab der horizontalen Bildachse ist 1:400 000. Die senkrechte Bildachse ist hingegen ein typisches Element eines Profils. Es ist eine Höhenskala 1:20 000 in der Masseinheit des seinerzeit sehr gebräuchlichen Pariser Fusses zu 32,48 cm. Fast panoramaartig sind drittens die Umrisse der Berge, die perspektivisch hintereinander zu stehen scheinen. Wie üblich sind die Berge mit Namen und Höhen beschriftet. Für diese originelle Kombination von Elementen aus Karte, Profil und Panorama ist der Begriff der vergleichenden Höhendarstellung gebräuchlich. Ziel einer solchen Darstellung ist es also, dem Publikum eine Vorstellung über die Höhenverhältnisse eines Landes oder sogar der ganzen Erde zu geben. Die gebirgige Schweiz bot sich dafür natürlich an. Um die Zeichnung übersichtlich zu gestalten und das reiche Namengut unterbringen zu können, streckte der Kartograf den senkrechten Massstab auf das zwanzigfache. Das heisst, alle Berge sind extrem überhöht – die Alpen wirken fast wie eine Versammlung von Zuckerstöcken. Aus didaktischen Gründen ist ein derartiger Überhöhungsfaktor nicht zu empfehlen, denn solche verzerrten Bilder sind aus den Köpfen von Schulkindern kaum mehr wegzubringen. Lobenswert sind dafür die Hinweise am Rand über die vorherrschende Flora der betreffenden Höhenstufe. Angegeben sind die Höhenstufen des Kirschbaums, des Roggens und der Sommergerste, des Flachses, der Rottannen und Lärchen sowie der Arven. Auf 8000 Fuss soll sich schliesslich die Schneegrenze befinden. Der Urheber dieser Zeichnung ist ein Solothurner Artillerie- und Genieoffizier namens Urs Josef Walker. Als noch junger Mann schuf er zwischen 1828 und 1832 die erste genaue Gesamtkarte seines Heimatkantons. Knapp zehn Jahre später veröffentlichte Walker diese vergleichende Höhendarstellung der Alpen zwischen Genf und Chur sowie das Pendant für den Jura zwischen Genf und Brugg. Auf dem gleichen Blatt befinden sich übrigens auch vier «Querprofile», bei denen die Orte nach ihrer geografischen Breite aufgereiht sind.

Bibliografische Angaben

Hoehen-Karte der Schweiz 1840, von Urs Josef Walker. Solothurn: Verlag von Jent & Gassmann, 1841.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

Übersicht «Karte der Woche»