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Wegweisend:
Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz,
Bundesamt für Strassen ASTRA, 2010

© Bundesamt für Strassen ASTRA

An Klaus Aerni, ehemals Geografisches Institut, Universität Bern. – Lieber Klaus, weisst du noch, wo es in deiner Kindheit überall «Römerstrassen» gab? Dank deiner unermüdlichen Forschungen entpuppten sich einige davon als spätmittelalterliche oder frühneuzeitliche Wege. Dir ging es natürlich nicht um das Zerstören von Mythen. Dein Antrieb war vielmehr die wissenschaftliche Dokumentation und der Schutz alter Verkehrswege, die du als kulturhistorische und ingenieurtechnische Leistungen gesehen hast. Oder hast du den Wanderboom nach der Jahrtausendwende vorausgeahnt? Jedenfalls konntest du Geografen und Historiker vom zukunftsweisenden Projekt «Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz» (IVS) überzeugen. Eine entsprechende Arbeitsgruppe wurde an deiner Alma Mater, der Universität Bern, eingerichtet. Ab 1983 wertete dein Team systematisch alte Karten und Akten aus, um Hinweise auf teilweise längst verschwundene historische Wege zu finden. Und ihr wart viel unterwegs, um vor Ort den ursprünglichen Verlauf und den aktuellen Zustand zu beurteilen. Die Ergebnisse wurden auf Karten erfasst. Doch nicht nur die Wege und dafür notwendigen Kunstbauten waren dir wichtig. Auch die Wegbegleiter gehörten für dich selbstverständlich dazu: Alleen, Distanzsteine, Inschriften, Wegkreuze, Kapellen, Gasthäuser usw. Jedes Detail wurde auf so genannten Geländekarten festgehalten (Bild) und alle Wegabschnitte in Wort und Bild dokumentiert. Der wissenschaftliche Teil der Arbeit war einfach im Vergleich zum politischen. Nicht überall war man über das IVS glücklich. Gar manche Gemeinde oder Privatperson sah darin nur ein unnötiges und kostspieliges Hindernis für zukünftige Strassenausbauten. Das hat dich aber nicht vom Weg abbringen lassen (die Redewendung ist für einmal mehr als passend). Die Krönung deines Lebenswerks war zweifellos die bundesrätliche Verordnung von 2010, durch die das IVS als Bundesinventar amtlich anerkannt wurde. Seither sind rund 3750 Kilometer noch sichtbare Verkehrswege von nationaler Bedeutung geschützt. Den Kantonen steht es frei, weitere Strecken von kantonaler oder regionaler Bedeutung unter Schutz zu stellen. Das IVS hat einiges ausgelöst: Stundensteine wurden restauriert, alte Wege vom Asphalt befreit und gepflästert, neue touristische Angebote geschaffen. Die Verantwortung für die periodische Nachführung des IVS liegt heute beim Bundesamt für Strassen, methodisch und technisch beim Ingenieurbüro Basler & Hofmann.

Bibliografische Angaben

Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz IVS. Stand 16.04.2010. Ittigen: Bundesamt für Strassen ASTRA, 2010. Online unter https://map.geo.admin.ch/?topic=ivs

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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