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Ein Stück Heimat:
Schulkarte von Schaffhausen, Kantonaler Lehrmittelverlag, 2005

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© Kantonaler Lehrmittelverlag

Als der Kanton Schaffhausen im Jahr 2002 eine neue Schulkarte in Auftrag gab, machte er drei Vorgaben: Die Karte soll gleichzeitig als Hand- und als Wandkarte nutzbar sein, eine anschauliche Geländedarstellung aufweisen und den Schaffhauser Dialekt widerspiegeln. Die erste Forderung ist für Schulkarten typisch. Man muss bloss die Linienstärken, Schriftgrössen und die Generalisierung so wählen, dass sie für die Handkarte nicht zu fein, für die Wandkarte aber nicht zu grob wirkten. Die zweite Forderung gab den Kartografen schon mehr Kopfzerbrechen auf. Denn ein neues Relief zu schummern wäre sehr zeitaufwändig und damit teuer geworden. Nach einigem Suchen in den Archiven tauchte die originale Reliefzeichnung wieder auf, welche für die erste Auflage der Schulkarte (1954) von Eduard Imhof hergestellt worden war. Nur, diese Reliefzeichnung war einfarbig, was nicht gerade den Wünschen der Auftraggeberin entsprach. Doch das Institut für Kartografie der ETH Zürich wusste Rat. Mit einer Spezialsoftware wurde das eingescannte Reliefbild digital in farbige Höhenstufen zerlegt. Ausserdem wurde es geometrisch entzerrt und lokal retuschiert. Nun war noch die dritte Anforderung zu erfüllen, bestimmt die heikelste von allen. Weil: Für Ortsnamen gibt es in der Schweiz ungefähr acht Millionen Expertinnen und Experten. Zwar ist die Schreibweise der politischen Gemeinden und der Namen von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs vom Bund geregelt. Für alle anderen Toponyme können die Kantone weitgehend frei bestimmen, wie sie auf Karten und Wegweisern geschrieben werden sollen. Die Kompetenz liegt in der Regel bei einer kantonalen Flurnamenkommission. Schaffhausen pflegt eine im nationalen Vergleich sehr dialektnahe Schreibweise. Was auf der 2005 gültigen Landeskarte der Schweiz noch Höhe, Berg und Tal hiess, lautet auf der Schulkarte Hööchi, Bärg und Taal. Aus dem Klettgau wurde das Chläggi, aus dem Hemmentalertal das Hämedalertaal (weshalb nicht Hämetaalertaal?). Selbstverständlich dürfen auch der Rii und der Schlaatemerbach nicht fehlen. Wie viele Auswärtige sich seither im nördlichsten Zipfel der Schweiz verfahren haben, sei dahingestellt. Tatsache ist aber, dass Ortsnamen wichtige kulturgeschichtliche Quellen sind, die es zu bewahren gilt. Wo man die Ortsnamen kennt, vor allem die ganz lokalen, da fühlt man sich zuhause. Mit anderen Worten: es geht um Identität und Heimat. Diese zu zeigen ist die vielleicht wichtigste Aufgabe einer kantonalen Schulkarte.

Bibliografische Angaben

Kanton Schaffhausen, herausgegeben vom Erziehungsdepartement des Kantons Schaffhausen und dem Kantonalen Lehrmittelverlag, Redaktion und kartographische Bearbeitung Joseph Halytskyj unter Mitarbeit von Thomas Jörg, Beratung zur Schreibweise Alfred Richli, Übernahme und digitale Bearbeitung des Originalreliefs von Eduard Imhof aus den Jahren 1947 bis 1953 Lorenz Hurni, Bernhard Jenny und Stefan Räber. Ausgabe 2005. Schaffhausen: Erziehungsdepartement des Kantons Schaffhausen und Kantonaler Lehrmittelverlag, 2005.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich