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Sag mir, wie viel Sternlein stehen:
Karte der Lichtverschmutzung, Dark-Sky Switzerland, 2005

Heute laden wir zu einem Wettbewerb ein. Er heisst «Sterne sammeln». Warten Sie eine wolken- und mondlose Nacht ab und zählen Sie alle Sterne, die Sie von Ihrem Balkon oder Garten aus sehen. – Wer nicht warten kann, erhält hier bereits die Antwort von vier Testpersonen. Herr A zählt «etwa 9950 Sterne»: Tut uns Leid, er flunkert stärker als der hellste Stern. Hat er einen Feldstecher zu Hilfe genommen? Oder die Weihnachtsdekoration der Nachbarn mitgezählt? – Frau B berichtet von «3000 Sternen»: Gratulation, sie hat ein Spitzenresultat erreicht. Als Hüttenwartin beim SAC hat sie aber auch die besten Voraussetzungen, die man in der Schweiz haben kann. Ihre Gegend ist nur geringfügig mit Licht verschmutzt. Von hier aus ist die Milchstrasse ein grossartiger Anblick, nicht wahr? – Herr C sieht «knapp 1000 sowie Venus, Mars und Jupiter»: Er wohnt im Mittelland und hat leider keine Chance. Sein Wohnort ist mittel bis stark lichtverschmutzt. Die Milchstrasse und die anderen Planeten sieht er sich besser im Internet an. – Frau D kommt auf ganze «85 Stück»: Das Schlusslicht. In den grossen Städten bleibt auch nicht viel mehr übrig, angesichts der starken Lichtverschmutzung. Dabei ist die fehlende Fernsicht gen Himmel noch das kleinste Problem. Frau D klagt nämlich über gestörte Wach- und Schlafphasen. Sie weiss auch, dass das Leben nachtaktiver Tiere und Insekten durcheinander gerät. Nicht zuletzt hält sie Lichtverschwendung schlicht für unökonomisch. Deshalb ist sie seit 1996 Mitglied im Verein Dark-Sky Switzerland. Ihm gehören Fachleute der Astronomie, Biologie, Biochemie, Elektrotechnik und Psychologie sowie andere Interessierte an. Der Verein publizierte 2005 eine Lichtverschmutzungskarte der Schweiz (Bild). Sie basiert auf Satellitenbildern von 1998, auf denen die Intensität der künstlichen «Lichtwolke» über dem Siedlungsgebiet gemessen wurde. Diese Messung (top-down) wurde anschliessend in den Verlust der visuellen Sichtbarkeit des Nachthimmels (bottom-up) umgerechnet. In der Gesamtschau zeigt sich, dass das ganze Mittelland bereits ziemlich lichtverschmutzt ist (blaue und grüne Zonen). In den grossen Städten und Agglomerationen ist von der Pracht des Nachthimmels definitiv nichts mehr übrig (gelbe Zonen). Doch selbst in den Alpen herrscht nirgendwo mehr natürliche Dunkelheit. Als verhältnismässig finstere, jedoch keineswegs ungestörte Räume erweisen sich die Gegenden um Dammastock, Tödi, Piz Medel und Vals sowie zwei Grenzgebiete ganz im Osten des Landes. Sag mir, wie viel Sternlein stehen, und ich sage dir, wo du wohnst.

Bibliografische Angaben

Inquinamento luminoso in Svizzera = Pollution lumineuse en Suisse = Lichtverschmutzung in der Schweiz, Istituto di Scienza e Tecnologia dell’Inquinamento Luminoso, Thiene, Italia; Überlagerung auf Schweizerkarte: Dark-Sky Switzerland, Sezione Ticino. Stand 1998. Stäfa: Dark-Sky Switzerland, 2005.

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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