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Du bist mein, ich bin dein:
Google Maps, Google, 2016

© Google

Am 18. Dezember 2006 gab es unter Schweizer Kartografen nur ein Thema: Teile der Luzerner Firma Endoxon waren von Google gekauft worden. Endoxon war nicht irgendeine Firma. Sie galt in der Branche als innovative (und zuweilen aggressive) Entwicklerin geografischer Informationssysteme (GIS). Für diverse Kantone baute sie zum Beispiel digitale Richtpläne auf. Als Nebenprodukt gab sie auch gedruckte Luftbildkarten touristischer Regionen der Schweiz heraus. Endoxons Kernkompetenz lag jedoch bei der Integration von georeferenzierten und hochauflösenden Satellitenbilddaten in dynamische und mobile Internetdienste. Das war genau das, was Google brauchte. Denn Google, schon damals einer der mächtigsten Konzerne der Welt, hatte im Februar 2005 den Kartendienst Google Maps lanciert. Dieser basierte auf einem Konzept zweier dänischer Ingenieure. Parallel dazu wurde im Juni 2005 die Software Google Earth veröffentlicht, deren erste Version von der Keyhole Corporation entwickelt worden war. Doch in den Augen der Google-Manager gab es bei beiden Produkten noch viel Verbesserungspotential. Mit dem Kauf der GIS-Technologie von Endoxon und der Übernahme zahlreicher Mitarbeiter verschaffte sich Google das nötige Knowhow und den vielleicht entscheidenden Vorsprung gegenüber anderen Internetkonzernen, die ähnliche Projekte hegten. Der Rest ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Wie bei den Suchanfragen ist Google auch im Kartografiebusiness innert weniger Jahre zum weltweiten Marktführer geworden. Millionen von KMU rund um die Welt haben Google Maps in ihre Website eingebunden. Und Milliarden von Menschen machen sich ein Vergnügen daraus, sich auf der virtuellen Erdkugel zu bewegen oder bei Street View wildfremde Landschaften und Städte in 3D zu erkunden. Willkommen im egozentrischen Weltbild. Laut der für Geodienste zuständigen Google-Vizepräsidentin ist der Kartendienst «a pretty incredible Swiss army knife of a product», also ein Schlüsseldienst oder Allzweckmittel. Ob ihre Wortwahl Zufall ist oder nicht, in Google Maps ist tatsächlich Schweizer Technologie drin. Mehr noch, der Zürcher Sitz des Internetgiganten (Bild) ist zweifellos die grösste Kartografiefirma des Landes. Hier wird seit zehn Jahren an der Kartentechnologie der Zukunft getüftelt. Ob wir dereinst auch einen Nachfolger des ikonenhaften, aber in der Masse potthässlichen Google Pin zu sehen bekommen, dürfte allerdings eher im Silicon Valley entschieden werden.

Bibliografische Angaben

Google Maps. Stand 2016. Mountain View, California: Google, 2016. Online unter https://www.google.ch/maps/@47.3660519,8.5333,16z

Bildauswahl und Text

Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich

 

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