Ausgezeichnete Kartenprodukte – Prix Carto-Verleihung

Medienmitteilung:

Schweizer Kartografiepreis

«Prix Carto» ist ein Preis auf dem Gebiet der Kartografie, Geomatik und Geovisualisierung. Er zeichnet alle zwei Jahre herausragende, innovative kartografische Erzeugnisse aus, die sich aus der Fülle ähnlicher Werke abheben sowie neuartig und richtungsweisend sind. Der Preis wurde am 30.10.2017 am Abend der Schweizer Kartografie im Landesmuseum Zürich zum 7. Mal verliehen. Für die Organisation war die Schweizerische Gesellschaft für Kartografie SGK zuständig. Die Preisgewinner 2017 sind:

Prix Carto – start (Nachwuchs-/Förderpreis)

Gewinner: Augmented Reality App Swissarena
Autor: Michael Zwick, FHNW Muttenz

2. Platz: Automatic Swiss style rock depiction
Autor: Roman Geisthövel, Institut für Kartografie und Geoinformation, ETH Zürich

3. Platz: Evolution of Swiss political communities over popular vote outcomes, 1981-2014
Autor: Shin Alexandre Koseki, EPFL

Prix Carto – print (Kategorie Druckprodukt)

Gewinner: Taktiler Atlas der Schweiz
Autorin: Anna Vetter, Esri Schweiz AG

Prix Carto – digital (Kategorie Neue Medien)

Gewinner: OpenMapTiles
Autor: Petr Pridal, Klokan Technologies GmbH


Augmented Reality App Swissarena

Gewinner Prix Carto – start
Autor: Michael Zwick, FHNW Muttenz
Laudatio: Mirjam Baumann, MeteoSchweiz

Haben Sie auch schon mal die Swissarena im Verkehrshaus besucht? Wie wir bereits gehört haben, ist dies ein 200m2 grosser Pavillon-Boden mit einem Luftbild der Schweiz. Die Besucher können dieses Luftbild begehen und versuchen, bekannte Orte, Objekte oder Routen zu finden. – Die Orientierung bei Luftbildern ist nicht immer ganz einfach hat sich wohl der heutige Gewinner auch gedacht. Es freut mich sehr, nun den Gewinner des ersten Preises Michael Zwick, der uns bereits vorgestellt wurde, bekanntzugeben.

Beim vorliegenden preisgekrönten digitalen Produkt handelt es sich um eine funktionsfähige App für die Swissarena in Luzern. Die App wurde im Zusammenhang mit der Masterarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt. Die Inhalte der App verstehen sich als Ergänzung des analogen Luftbildes der Swissarena. Dazu wird die Augmented Reality (AR) Technologie verwendet. Diese Technologie eignet sich um variable Inhalte auf einer statischen und allenfalls gedruckten Karte anzeigen zu können.

Die diesjährige PrixCarto Jury würdigt diese Eingabe für den PrixCarto Start. Die Arbeit des Preisträgers hat uns in der Jury aus verschiedenen Gründen überzeugt. Die App ist sowohl benutzerfreundlich und zeigt auch mit den vorhandenen Datenquellen eine sehr hohe Qualität auf. Es ist ein sehr innovatives Projekt, dessen Zweck nicht nur dem Verkehrshaus Luzern dient, sondern auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel bei einem Gewässer-Quiz im Geografie-Unterricht, anwendbar ist. Die App ist einer weiteren Entwicklung unterworfen und der Gewinner ist über jede weitere Idee herzlich erfreut.

Im Namen der gesamten Jury freue ich mich daher, den Prix Carto 2017 in der Kategorie «start» Michael Zwick zu verleihen! Ich bitte den Preisträger auf das Podium zu kommen!

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Automatic Swiss style rock depiction

2. Platz Prix Carto – start
Autor: Roman Geisthövel, ETH Zürich
Laudatio: Mirjam Baumann, MeteoSchweiz

Ein Relief ist bestens geeignet um sich einen plastischen Eindruck von Geländeformen zu machen. Der zweite Platz hat ein Werk verdient, welches anhand einer Dissertation am Institut für Kartografie und Geoinformation der ETH Zürich sich mit Relief auseinandergesetzt hatte. Seine Faszination dieser Darstellungsform hat er bereits schon sehr früh entdeckt. Es handelt sich um die automatische Felsdarstellung nach Schweizer Manier. Wichtig deshalb sind die Schlagwörter: Präzision und Qualität.
Ziel dieser Automatisierung ist in Zukunft die traditionelle Handarbeit der Reliefzeichnung würdig abzulösen. Eine sehr gelungene Leistung!

Mittels eines Rasterhöhenmodells und einer zugehörigen Felsmaske kann eine automatische Felsschraffur abgeleitet werden, die sich an der Darstellung in der Landeskarte orientiert. Der Preisträger hat im Rahmen seiner Arbeit eine Software entwickelt, welche diese Methode implementiert. Mit einer kleinen Präsentation wird uns der 2.Platzierte nach der Ehrung in seine Welt der Felsdarstellung einführen. Wir sind gespannt darauf.

Das Ergebnis zeigt, wie präzise, unter Berücksichtigung von unterschiedlichen Faktoren und zeitintensiver Ausarbeitung, eine automatische Felszeichnung entstehen kann. Ich bin mir sicher, dass auch Eduard Imhof, der Relief Pionier, diesem Resultat Beachtung geschenkt hätte.

Die Jury war sich einig, dass diese neue zukunftsgerichtete Leistung und die mehrjährige Arbeit zu diesem finalen Produkt, eindeutig eine Meisterleistung ist. Sowohl die Ästhetik, die Qualität als auch die Innovation und natürlich der Zweck, diese Methode weiter für weitere Karten anzuwenden, waren überzeugend. Bestaunt kann diese Felsdarstellung mit schattiertem Relief vom Mount Everest im neuen Schweizer Weltatlas.

Wir gratulieren dem Preisträger, Roman Geisthövel, zu dieser hochqualitativen und zukunftsorientierten Leistung!

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Evolution of Swiss political communities over popular vote outcomes, 1981–2014

3ème place Prix Carto – start
L’auteur: Shin Alexandre Koseki, EPFL
Panégyrique: Christophe E. Lienert, Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde der Schweizer Kartografie, chèrs collègues, chèrs amis de la cartographie suisse

Soyez bienvenues à cette soirée de la cartographie Suisse aujourd’hui. C’est avec grand plaisir de prononcer – de nouveau – un éloge pour le lauréat dans la catégorie de « Prix Carto Start ».

Est-ce-que les cartes, peuvent-elles découvrir le changement du paysage politique ? Avec cette question principale le lauréat nous démontre, que les cartes sont, en fait, capables de représenter les changements et les transformations de la situation politique au cours de douzains des décennies. L’objective de cet ouvrage cartographique reflète la compréhension de la transformation culturelle des communautés Suisse au cours du temps.

Dans le cadre d’une thèse de doctorat à l’Ecole Polytechnique de Lausanne, des différentes couches de représentations innovantes ont été combinées dans la carte. La carte de base a été développé par le laboratoire EPFL Chôros. Dans ce laboratoire on a élaboré des nouveaux sortes des cartogrammes, avec lesquelles la lisibilité est améliorée considérable.

Le lauréat a développé une méthode qui s’appelle « Territorial Topology Analysis » qui combine l’approximation métrique avec une analyse du réseau sociale. Avec ce travail, la disparition lente de la frontière linguistique entre la Suisse romande et la Suisse alémanique est bien apparente. On pourrait dire : La suisse existe, mais le rideau de Rösti n’existe pas !

Avec la multitude d’information, un ouvrage est présenté, qui convainc par son design novateur, convivial et bien réfléchi. Il n’est donc pas surprenant que les cartes du lauréat ont été publiées dans des journaux nationaux et dans le rapport annuel de l’EPFL.

Le jury est convaincu que cette représentation cartographique est utilisable pour des autres thèmes et, par conséquent, mène facilement à autres cartes et applications cartographiques.

Nos félicitations pour le résultat et le troisième rang, Shin Alexandre Koseki ! Monsieur Koseki présentera encore son résultat aux participants.

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Taktiler Atlas der Schweiz

Gewinner: Prix Carto – print
Autorin: Anna Vetter, Esri Schweiz AG
Laudatio: Carmen Erni Jensen, Google Maps

Der Gewinner des Prix Carto Print 2017 ist der Taktile Atlas der Schweiz von der Kartografin Anna Vetter von der Firma Esri. Der Atlas ist im Massstab 1:100’000 verfasst, umfasst 2 Thematische Karten à je 58 Kartenblätter und macht die Schweiz be-greifbar.

Die Zielgruppe der Blinden ist eine neue. Bisher gab es kaum Berührungspunkte zwischen Blinden und Sehbehinderten auf der einen Seite, und Kartenmaterial auf der anderen. In Zeiten in denen Inklusion und Diversität gross geschrieben werden, ist dieser Atlas prima positioniert.

Der Taktile Atlas der Schweiz betritt nicht nur thematisch, sondern auch technisch Neuland. Lesbare Symbole in Brailleschrift benötigen eine Mindestgröße von 1 qcm, um für Fingerkuppen lesbar zu sein. Aus dieser Mindestgröße ergeben sich ganz neue Beschränkungen für die in der Karte darstellbaren Information. Mit der bewussten Reduktion der Informationsfülle, einem Abkürzungsverzeichnis und der Auswahl und Generalisierung bestimmter Symbole in 3D fanden Anna Vetter und ihr Team innovative Lösungen.

Ein ganzes Jahr Arbeit steckt allein in der Abstimmung der Information. Das Weglassen wurde zum spannenden zentralen Thema des Atlanten, bis der Taktile Atlas eine durchgängig gute Lesbarkeit erreichte.

Das Wunderbare am Taktilen Atlas ist, dass er ein zweifacher Brückenbauer ist. Er ist für Blinde und Sehbehinderten eine wertvolle Orientierungshilfe und sensibilisiert Nicht-Sehbehinderte für die Anliegen der Blinden und öffnet ihnen somit die Tür zu einer sonst verschlossenen (unsichtbaren) Welt.

Sie, liebes Publikum, lade ich ein, diese Gelegenheit zu nutzen die Schweiz zu be-greifen.

Herzliche Gratulation, Anna Vetter und Firma Esri zum Taktilen Atlas.

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OpenMapTiles

Gewinner Prix Carto – digital
Autor: Petr Pridal, Klokan Technologies GmbH
Laudatio: Ralph Straumann, EBP

Kartografinnen und Kartografen setzen immer mehr auf digitale Werkzeuge, um für Ihr Zielpublikum und den jeweiligen Verwendungszweck optimal gestaltete Karten effizient herstellen zu können. Die digitalste Karte überhaupt ist wohl die Webkarte. Und sie ist sicherlich die mit Abstand am häufigsten benutzte: Das Geoportal des Bundes, map.geo.admin.ch, verzeichnet pro Jahr circa 10 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Und schon vor einigen Jahren berichtete Google Maps über 1 Milliarde Nutzende pro Monat!

Möglich wurden diese fantastischen Zahlen durch viele ineinandergreifende Innovationen, die das effiziente Ausliefern von Karten im Internet überhaupt ermöglichten. Heute zeichnen wir in der Kategorie Prix Carto digital eine Arbeit aus, die die nächste globale Innovationswelle in der Webkartografie mitanführt: Der Prix Carto digital 2017 geht an die Firma Klokantech für ihr Produkt OpenMapTiles.org!

Bei OpenMapTiles handelt es sich um eine Sammlung von Tools, einem Vector Tile Schema, frei herunterladbaren gekachelten Daten und ein Set von kartografischen Stilen, das die Gestaltung und die Auslieferung von sogenannten Vector Tiles für Webkarten basierend auf OpenStreetMap ermöglicht.

Vector Tiles oder Vektorkacheln sind kleine Pakete von Vektordaten, die dann im Client, d.h. in Ihrem Handy oder auf Ihrem PC, anhand von kartografischen Darstellungsregeln visualisiert werden. Gegenüber traditionellen Ansätzen verfügen sie über riesige Vorteile: aus technischer Sicht benötigen Vektorkacheln weniger Speicherplatz und auch weniger Bandbreite. Kartografisch und inhaltlich gesehen sind Vektorkacheln genial, weil sie relativ einfach mit Interaktivität zu ergänzen sind, weil unkompliziert auch mehrsprachige Karten ausgeliefert werden können und weil sie Kartografinnen und Kartografen ungewohnte gestalterische Flexibilität geben.

Firmen wie Siemens, Amazon und IBM haben schon auf OpenMapTiles gesetzt. Dadurch, dass Klokantech sämtliche Komponenten von OpenMapTiles als open-source anbietet, kann künftig jede und jeder von uns auf effiziente Art die derzeit innovativste Technik der Webkartografie anwenden. Herzliche Gratulation an Klokantech und Petr Pidal für den Gewinn des Prix Carto digital 2017!

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Die Schweizerische Gesellschaft für Kartografie SGK gratuliert allen Gewinnern und bedankt sich für die zahlreichen Eingaben!


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